Seit Kurzem bin ich stolzer Besitzer von Lithium-Batterien – und damit auch eines BMS (Batteriemanagement-System), genauer eines Victron BMS 12/200. Das BMS sitzt zwischen den Batterien und den Verbrauchern und lässt sich neben dem Hersteller-Bedienpanel vorn im Ducato auch direkt über sein Relais schalten.

Schließe ich den 12-V-Kreis am Bedienpanel, geht wie gewollt nichts mehr: kein Licht, kein TV, keine Wasserpumpe, keine SAT-Antenne. Diese Verbraucher inklusive der Truma Combi 4 hängen nach dem BMS am Schaudt-EBL, der im Fahrzeug verblieben ist. Nur mein Truma CP-Plus-Bedienteil und die Truma iNet Box hängen am Dauerplus außerhalb des EBL, weil dort Timer und Uhrzeit gespeichert sind – ich will mir ersparen, jedes Mal alles neu einstellen zu müssen :).

Die Problematik

Sobald ich das Relais des Victron BMS per App oder BMS-Monitor öffne, ist das Fahrzeug quasi stromtot – dann schalten auch iNet Box und CP Plus ab. Es gibt aber Situationen, in denen sich genau das lohnt, etwa um die Batterie zu schonen, wenn das Fahrzeug länger steht. Allein die zwei Truma-Geräte am Dauerplus ziehen dauerhaft 0,6 Ah. Damit kommen die LiFePO4 zwar gut zurecht, aber sicher ist sicher! (Immerhin: Die Herstellerangaben von Truma stimmen exakt mit dem überein, was mein Batteriemonitor anzeigt :).)

Die Frage war also: Wie aktiviere ich das BMS aus der Ferne wieder? Grundsätzlich habe ich zwei Möglichkeiten:

a) per Bluetooth über die App den Schieber umlegen, oder
b) zum Fahrzeug gehen und den Monitor bedienen.

Beides hat mit „Ferne" nichts zu tun – die Bluetooth-Reichweite bricht schon nach wenigen Metern ab. Bliebe noch das komplette Victron-Paket mit Fernzugriff. Dann bleibt das Wohnmobil aber stehen, weil ich mir den Diesel nicht mehr leisten kann :) – das wären nochmal über 1.300 Euro.

Die Idee zur „Fern"-Bedienung

Aus einem früheren Projekt kam mir der GSM Remote Controller RTU5024 in den Sinn. Mit 29,99 Euro ein Schnäppchen – ruckzuck bei Amazon bestellt, zwei Tage später lag er vor der Tür. Gedacht ist so ein Controller eigentlich zum Öffnen von Garagentoren, er lässt sich aber prima zweckentfremden.

Das BMS hat einen Remote-Port mit den Anschlüssen NO (Normally Open) und COM, die normalerweise auf das Display aufgelegt sind. Genau dort habe ich den GSM-Controller dazwischengesetzt. Das funktioniert grundsätzlich mit jedem Batteriemanagement-System, das über einen solchen Remote-Port verfügt.

Verkabelungsschema: GSM Remote Controller RTU5024 am Remote-Port des Victron BMS 12/200

Der RTU5024 nimmt eine SIM-Karte auf und schaltet sein Relais per SMS oder Anruf. Die Anschlüsse: 12 V (direkt an die Batterie), dazu NO, NC und COM. Das Remote-Kabel vom Victron BMS habe ich abgezweigt und zusätzlich auf NO und COM des GSM-Controllers gelegt (siehe Bild) – so behalte ich die Option, das Relais weiterhin auch über den Monitor zu schalten. Wer das nicht braucht, klemmt die Kabel vom Monitor direkt auf den Controller.

Eingelegt habe ich eine Prepaid-SIM von Congstar, weil ich im D1-Netz schlicht den besten Empfang habe. Das Schöne: Das „Fernsteuern" kostet praktisch nichts. Eine SMS kostet ein paar Cent – der Anruf beim Controller aber wird gar nicht angenommen: Er legt sofort auf, erkennt die Rufnummer und schaltet. Dafür reicht eine ganz normale Prepaid-Karte völlig aus.

Platziert habe ich den Controller samt Antenne (die übrigens tauschbar ist) unter meinem Monitor hinter der Hecktür – dort stört er nicht und hat trotzdem guten Empfang.

Die Konfiguration ist einfach

Zur Konfiguration braucht man lediglich die App „GSM Gate Opener RTU5024" aus dem Play Store. Viele Einstellungen gibt es nicht – wobei ich erwähnen muss: Eine Bluetooth-Schnittstelle existiert nicht, die App generiert schlicht SMS, über die der Controller konfiguriert wird. Das hat auch einen Vorteil: Ich kann den Controller von jedem Ort der Welt aus umkonfigurieren. Eine deutsche Version der App gibt es nicht, aber mit etwas Englisch kommt da jeder Laie zurecht.

Für die reine Funktion gibt es ohnehin kaum etwas einzustellen: höchstens einen Timer, wie lange das Relais offen oder geschlossen bleiben soll – oder man lässt das unberührt und schaltet manuell per Anruf oder SMS.

Kann mir dann jeder den Strom abdrehen?

Nein, so ist das nicht. Es gibt mehrere Sicherheitsvorkehrungen:

  • Über die App lassen sich bis zu 99 Rufnummern hinterlegen, die zur Bedienung per SMS oder Anruf berechtigt sind. Wer nicht auf der Liste steht, kann das Relais weder öffnen noch schließen. Nicht, dass zufällig mal der Congstar-Support anruft und plötzlich alles dunkel ist :).
  • Für SMS-Kommandos wird zusätzlich ein Passwort benötigt (ab Werk „1234" – unbedingt ändern!).
  • Man könnte auch pauschal jeden berechtigen – aber wer überlässt schon gerne anderen die Kontrolle über seinen Strom?

Zum Abschluss

Hier noch ein kleines Video zur simplen Funktionalität. Und wer sich fragt, wozu das Ganze: Mir kam der Fall in den Sinn, dass mein Wohnmobil irgendwo steht, wo ich gerade nicht bin – zum Beispiel beim Kunden, während ich längere Zeit nach Hause fahre. Dann öffne ich das Relais vor Ort, und wenn die Temperaturen wieder im Keller sind, aktiviere ich den Strom schon vor der Rückfahrt aus der Ferne. Damit bekommt auch das Truma CP Plus wieder Strom, und ich kann die Heizung bereits starten, bevor ich überhaupt losfahre. Ich finde das klasse :).

Mit etwas Bastelei lassen sich übrigens allerlei Geräte an so einen Controller hängen, um sie aus der Ferne zu schalten. In meinem Fall war es besonders einfach, weil das BMS schon einen Remote-Port mitbringt.

Hier nochmals das benötigte Material

* Affiliate-Link: Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Für Dich ändert sich am Preis nichts.