
Der Umbau von einer AGM Batterie auf viel Lithium LiFePO4
Bisher stand ich mit meiner 150-Ah-AGM-Batterie so autark wie möglich. Gerade im Winter hat das nicht immer gut funktioniert: Die Truma Combi 4 läuft quasi 24 Stunden am Tag, dazu wollen Notebook und Handy geladen werden, und die normalen Verbraucher wie Licht und Wasserpumpe brauchen auch ihren Strom.
Nach 3 bis 4 Tagen war ich damit am Ende meiner Stromkapazität. Im Sommer wäre das kein Problem – da sorgt die Solaranlage für Nachschub. Aber über die Solarausbeute am Jahresende muss ich selbst mit MPPT-Regler niemandem etwas erzählen: Es reicht einfach nicht aus! Und in nächster Zeit werden es eher mehr als weniger Verbraucher – auf Freizeittouren will irgendwann sicher auch noch ein E-Bike-Akku geladen werden.
Also ging es an die Überlegung, die AGM gegen zwei Lithium-Batterien (LiFePO4) zu tauschen – bei der ich finanziell beide Augen zugedrückt habe.
Kleine Batteriekunde zu Beginn
Vorweg: Nassbatterien, Gel-Batterien und AGM-Batterien unterscheiden sich hauptsächlich darin, wie das Elektrolyt gelagert ist.
1. Nassbatterie (Blei-Säure): Behandle ich hier wie ein rohes Ei, denn sie ist nie so zyklenfest wie Gel oder AGM und nicht wirklich wartungsfrei. Ist das Batteriefach nicht fest verschlossen, ist eine Abluftleitung nach außen zwingend ratsam – sonst fängt das Wohnmobil durch das schwappende Elektrolyt an zu riechen, und das ist kein angenehmer Geruch! Auch beim Laden ist Vorsicht geboten: Zu lange oder falsch geladen kann die Batterie regelrecht „kochen", was ihr Todesurteil bedeuten kann. Dafür ist sie die günstigste Wohnmobilbatterie auf dem Markt. Sinnvoll aber nur für Leute, die sich gerne um ihre Batterie kümmern – ich gehöre nicht dazu.
2. Gel-Batterie: Weniger anfällig, zyklenstärker und wartungsfrei. Sie verträgt auch mal eine Tiefentladung, ohne dass man in Panik die nächste Steckdose suchen muss. Das Elektrolyt ist in Gel gebunden. Gel-Batterien schaffen etwas mehr Zyklen als AGM und machen beim Laden dank der niedrigeren Ladekennlinie weniger Kompatibilitätsprobleme – dafür mögen sie keine hohen Ströme und brauchen lange für die letzten Prozent.
3. AGM-Batterie (Absorbent Glass Mat): Die Weiterentwicklung der Gel-Batterie und im Wohnmobil inzwischen Standard. Das Elektrolyt ist in einem Glasvlies gebunden, die Batterie ist zyklenfest und wartungsfrei. AGMs laden etwas schneller als Gel und vertragen höhere Ströme – ein Vorteil, wenn ein größerer Wechselrichter betrieben wird. Zu beachten: Nicht jedes Ladegerät liefert die höhere AGM-Ladekennlinie (14,6 V). Durch die kürzere Absorptionszeit eignen sie sich gut für das Laden fast ausschließlich über Solar.
4. Lithium-Eisenphosphat (LiFePO4): Das Nonplusultra unter den Versorgungsbatterien – und bei intensiver Nutzung auf lange Sicht sogar wirtschaftlich interessant. LiFePO4 kommt mit hohen Ladeströmen ebenso klar wie mit Tiefentladung. Durch den höheren Energienutzungsgrad braucht es sogar weniger Solarleistung auf dem Dach, was wieder Gewicht spart. Einziger echter Nachteil: der Anschaffungspreis.
Weitere Details zu Batterietypen, Ladezyklen und Lebensdauer findest Du bei Campofant – Wohnmobil Batterie: Gel, AGM, Blei-Säure oder LiFePO4?
Vor- und Nachteile auf einen Blick
| Batterietyp | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Nassbatterie |
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| Gel-Batterie |
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| AGM-Batterie |
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| LiFePO4-Batterie |
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Ich brauche mehr Strom!
Vasco denkt sich sicherlich seinen Teil über mich :). Aber er muss ja Geld verdienen und mir die Sorge um eine leere Batterie nehmen. Also hat er sich meinen kleinen Kastenwagen mal wieder vorgenommen und mir den Wunsch der Lithium-Batterien erfüllt. Am Ende des Beitrags findest Du alle verbauten Teile in einer Liste (Affiliate-Links).
Wie erwähnt: Mit der 150-Ah-AGM kam ich im Winter 3 bis 4 Tage weit. Am dritten Tag brach die Spannung teilweise schon auf 10,9 bis 12,1 V ein, und an Tag 4 oder 5 stiegen die Verbraucher schlicht aus. Der Vorteil der Lithium-Batterien ist dagegen deutlich messbar:
- Gewicht: Die einzelne AGM wiegt 48 kg, die zwei 90-Ah-LiFePO4 wiegen je 16 kg – ich spare also über 16 kg.
- Spannungslage: Der Lithium-Akku hält die Spannung auch bei höherer Stromentnahme (etwa über den Wechselrichter) konstant bei rund 13 V.
- Nutzbare Kapazität: Von der AGM darf ich maximal 50 % entnehmen – bei 150 Ah also etwa 75 Ah; alles darüber schadet der Blei-Batterie. Bei Lithium kann ich dagegen rund 90 % wirklich nutzen: Die 2 × 90 Ah in Parallelschaltung liefern mir also ca. 162 Ah. Die nutzbare Kapazität hat sich mehr als verdoppelt.
Exkurs: Zyklenfestigkeit
Ein voller Zyklus ergibt sich, wenn die Batterie einmal vollständig geladen und bis zu ihrer Speicheruntergrenze entladen wurde. Beispiel: Eine 100-Ah-Bleibatterie wird voll geladen und es werden 50 Ah entnommen – das ist ein Ladezyklus. Die Zyklenfestigkeit gibt an, wie oft das geht, bevor die Batterie Leistung verliert. Nutze ich nur die Hälfte eines Zyklus, verdoppelt sich die Zahl der möglichen Entladungen. Kurz gesagt: Je flacher der Zyklus, desto länger lebt die Batterie.
Aber was soll mich das kümmern – ich brauche Stroooooom! Und will mich möglichst wenig mit Zyklen und Batterietausch beschäftigen. Victron gibt die 90-Ah-LiFePO4 mit 5.000 Zyklen an, meine AGM war mit 1.100 Zyklen angegeben. Ich behaupte blind: Diese Batterien halten bis zum Kauf eines neuen Wohnmobils in vielen Jahren :).
Der Einbau
Es war ein kalter Samstag im Februar, als Vasco mit mir vor dem Kastenwagen stand. Die größte Herausforderung war definitiv das begrenzte Platzangebot: Bei meinem Adria Twin sitzen AGM, Schaudt-EBL, MPPT-Regler und Sicherungskasten hinten im Heck über dem Radkasten. Dort mussten jetzt unterkommen: zwei Lithium-Batterien, der BMV (Batteriemonitor), das BMS (Batterie-Management-System), der Shunt, ein Plus-Verteiler, der Votronic-Ladebooster, eine Landstromsicherung – plus der vorhandene EBL. Es hat am Ende gut funktioniert. Aber der Kasten ist jetzt voll!
Nach ganzen 8 Stunden war Vasco fertig – mit der Arbeit, und vielleicht auch mit den Nerven. Ich quatsche ihn ja immer ganz schön voll mit neuen Ideen und Weltproblemen im Wohnmobil. Na ja, ehrlich gesagt vielleicht auch nur mit meinen Problemen :).
Heute ist Tag 2 mit dem neuen System an Bord, und ich bin direkt mal nach Rotterdam gefahren. Über die Victron-App kann ich jetzt alles kontrollieren, was an Strom rein- und rausgeht, und sehe zum ersten Mal, was jedes einzelne Gerät zieht. Das nächste Update sind definitiv LED-Lampen!
Kurzum: Ich bin mit allem sehr zufrieden. Vasco hat wieder klasse Arbeit abgeliefert, und ich habe deutlich weniger Angst, ohne Strom dazustehen. Wie sich das Ganze im Sommer verhält, wenn die 200-Wp-Solarmodule ihren Dienst aufnehmen, berichte ich später ausführlich – aktuell ist das Wetter mies, und in Rotterdam sind es nur 2 Grad bei bewölktem Himmel.
Nun noch die Bildergalerie – und wie immer: frohes Campen!
Was wurde verbaut?
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